Dienstag, 01 August 2017 16:36

Die Gemeinde Saint Julien de Peyrolas hat die Jugendförderung St. Antonius verklagt

Mitte Juni war ein Gerichtsvollzieher aus der Kantonshauptstadt Pont St. Esprit bei uns auf dem Zeltplatz und übergab einem Mitarbeiter des Vereins ein Schreiben, dass in seinem Büro etwas abzuholen wäre. Sollte es tatsächlich sein, dass wir vergessen haben, eine Rechnung zu bezahlen? Nein - eine 47seitige Klageschrift mit einer Einstweiligen Verfügung lag dort abholbereit. "Alle illegal errichteten Bauten sollen sofort abgerissen und die Bewohner des Zeltplatzes vertrieben werden", so die Übersetzung.

Nachdem wir wieder ein wenig Farbe im Gesicht hatten, wurde sofort gehandelt, denn die diesjährige Ferienfreizeit stand auf dem Spiel. Über die Deutsche Botschaft ist eine deutschsprachige Rechtsanwältin gefunden worden, die am "Gericht der großen Instanzen" in Nimes, der Hauptstadt des Departements Gard, zugelassen ist. Hier konnten wir glücklicherweise eine Verschiebung der Verhandlung auf den 13. September durchsetzen. Ursprünglich sollte schon am 5. Juli verhandelt werden.

Worum geht es eigentlich? Im Spätsommer 2005 haben wir einen Vorvertrag über den Kauf eines Campingplatzes in Saint Julien de Peyrolas unterschrieben. Vorher haben wir mit der Gemeinde dort über unser Vorhaben, dort Jugendfreizeiten auszurichten, intensiv Gesprochen. Die damalige Bürgermeisterin war begeistert. 

Der vorher schon existente Campingplatz, der dann endgültig im Februar 2006 Eigentum des Vereins wurde, hatte ein Sanitärgebäude, das für unsere Zwecke vollkommen unzureichend war, und eine Sickergrube mit einem Mehrkammersystem und Verrieselungsanlage. Eine dünne Stromleitung für den Betrieb von Kleingeräten war ebenfalls vorhanden.

Mit Zustimmung der Bürgermeisterei haben wir dann das Sanitärgebäude umgebaut. Darüber hinaus wurden Betonplatten gegossen, auf denen wir von der Stadt Leverkusen geschenkte Container aufstellten, in denen wir dann unsere moderne Küche mit Backstube installierten. Die Gemeinde machte uns Auflagen, z.B. wie groß und wo der Fettabscheider für das Spülwasser der Küche installiert werden muss. Alle Auflagen wurden selbstverständlich erfüllt. Die Bürgermeisterin sorgte mit dafür, dass wir eine Kraftstromleitung auf dem Platz bekamen. Diese Baumaßnahme kostete uns knapp 45000 Euro. Die neue Verlegung einer größeren Wasserleitung war gratis. Immer wenn wir ein Problem hatten, wurden wir von der Gemeinde unterstützt. Die Bediensteten der Gemeinde und die Bürgermeisterin waren oft zu Besuch bei uns. Die Zeitung der Region berichtete oft über unsere Jugenderholungsmaßnahme auf dem umgestalteten Zeltplatz. Alles war so, wie wir und die Gemeinde es wünschten.

Die Bürgermeisterin hatte nach dem Wechsel der Eigentumsverhältnisse des Platzes diesen bei der Behörde in Nimes als offiziellen Campingplatz abgemeldet. Das war auch richtig so, denn wir als Verein betreiben keinen kommerziellen Campingplatz. Sonst wären wir hier in Frankreich steuerpflichtig - und das hätte ganz viel Arbeit und Geld gekostet.

Wir investierten auf dem Gelände nicht nur eine sechsstellige Summe, sondern auch tausende Arbeitsstunden. Viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgten dafür, dass aus einem wilden Naturgrundstück ein Luxusplatz mit allem Pipapo wurde. Die Jahre gingen ins Land und wir erlebten Jahr für Jahr hier spannende Abenteuerferien mit vielen Kindern und Jugendlichen aus Leverkusen und Umgebung. 

2014 kandidierte Christiane Bremond nicht mehr für das Amt des Bürgermeisters in Saint Julien de Peyrolas. Rene Fabregue übernahm das Amt. Der Gemeindechef hielt es nicht für nötig, sich mal bei uns vorzustellen. Wir hingegen waren mehrmals jährlich in seinem Amtssitz, um verschiede Sachen zu klären. Nie war die Rede davon, dass irgendetwas im Argen lag.

Im Einzelnen geht es in der Klage darum, dass wir ohne Baugenehmigung mehrere Gebäude, unter anderem auf erhöhten Fundamenten errichtet hätten. Dazu ist zu sagen, dass die von der Stadt Leverkusen, von der Currenta und der Bayer AG gesponsorten Container immer noch Container und keine Gebäude sind und diese damals mit Genehmigung der Gemeinde aufgestellt wurden. Weiter geht es in der Klage darum, dass der Platz als Campingplatz 2007 abgemeldet wurde und wir von daher keine Zelte hier aufstellen dürften, in denen Menschen schlafen. Auch ist die Gemeinde überzeugt, dass wenn hier mal ein Hochwasser zu Personenschäden führen würde, die Verantwortung beim Bürgermeister liegen würde. Das sind die strittigen Punkte.

Wir sind wütend über die Art und Weise wie man hier mit uns umgeht. Angeblich wurden wir 2014 mit einem offiziellen Schreiben darüber informiert, dass wir uns nicht gesetzeskonform verhalten. Dieses Schreiben hat der Vorstand des Vereins nie erhalten. Am vergangenen Dienstag hatten wir ein Gespräch mit Rene Fabregue und seinen Gemeinderäten. Hier hat dann der Verwaltungsboss des Bauwesens mitgeteilt, dass er den besagten Brief auf dem Gelände irgendwem in die Hand gedrückt hätte. Sehr merkwürdig. Im Übrigen ist der Sitz des Vereins in Leverkusen. Das hat der Gemeinderat auch nicht verstanden.

Wir befinden uns in einer äußerst schwierigen Situation. Das Gerichtswesen in Frankreich ist vollkommen anders als bei uns in Deutschland. Zeugen müssen eine schriftliche Erklärung in französischer Sprache abgeben. Dies ist alles sehr zeitintensiv und schwierig, da unsere Zeugen in der Regel die französische Sprache nicht beherrschen.

Ein großes finanzielles Problem stellt diese Angelegenheit für uns auch dar. Der Rechtsbeistand und die beglaubigten Übersetzungen gehen in die Tausende. Wir brauchen Geld! Unterstützen sie uns im Kampf mit den Behörden. Wir können Spendenbescheinigungen ausstellen. Helfen sie uns, damit wir noch viele Jahre spannende und lehrreiche Abenteuerferien für Kinder und Jugendliche in einer der schönsten Gegenden Frankreichs ausrichten können.

Im Leverkusener Anzeiger ist ein Artikel über unsere Probleme in Frankreich erschienen. 

 

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Kennwort: "KLAGE" 

Letzte Änderung am Dienstag, 01 August 2017 16:39
   
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